13. Februar

Rechte und Neonazis im Februar

 Ich muss etwas tun! - Hans Scholl, "Weiße Rose"

 

Super, dass du dich über den Februar in Dresden informierst!

Auf dieser Seite findest du die kompakte Termin-Übersicht für die kommenden Tage, wichtig sind vor allem der Donnerstag (13.02.) und Samstag (15.02.). Auf dem Blog Campusrauschen veröffentlichen wir jeden Monat eine Kolumne über politische Themen, die aktuelle geht um den Februar - sobald sie online ist, wird sie auch hier veröffentlicht. Zuletzt kannst du auch noch die Mail nachlesen, die wir Anfang Februar auch über den Studi-Verteiler geschickt haben. In dieser liest du auch allgemeine Grundlagen über den Februar, falls du noch nicht genau weißt, worum es geht.

Bei allen Fragen kannst du dich gerne bei uns melden: what@mailbox.tu-dresden.de

 

Inhalt dieser Seite

1. Aktuelle (Termin-) Übersicht

2. Campus-Kolumne zum Geschehen im Februar

3. Info-Mail, die auch über den Studi-Verteiler ging

 


 

1. Aktuelle (Termin-) Übersicht

 

Wir versuchen diese Übersicht so aktuell wie möglich zu halten. Aber es ist immer eine gute Idee, die Seiten von Dresden Nazifrei und Furia zu checken. Gute Infos sind neben den Social-Media-Seiten von Dresden Nazifrei und Furia auch durch die Suche der Hashtags #dd1302 und #dd1502 auf Twitter zu finden.

Sagt allen Bescheid und bringt so viele Leute wie möglich mit auf die Straße! Egal ob (Musik-)Demo oder ziviler Ungehorsam - die Orga-Strukturen bieten für alle was an! Und natürlich braucht es auch Unterstützung bei reproduktiven Tätigkeiten, die genau so zur Aktion gehören, wie das protestieren selbst (Kinderbetreuung, Essen, Rückzugsräume und so weiter).

 

Demo-Tage:

  • 13.02. - Am Donnerstag, dem eigentlichen Jahrestag der Bombardierung, gibt es mehrere Veranstaltungen und Protestmöglichkeiten. Infos hier und in dem entsprechenden Facebook-Post.

Morgens ab circa 10:00 legen Nationalkonservative, Burschenschaftler und extrem Rechte Kränze auf dem Heidefriedhof ab. In den letzten Jahren wurde dies von Polizei abgeschirmt. Ab 09:30 gibt es eine Gegendemonstration vor dem Eingang des Heidefriedhofs.

Zudem werden auf dem Heidefriedhof nach der Kranzniederlegung die Namen von Verstorbenen der Bombardierung verlesen, dabei wird kein Unterschied zwischen SS-Mann, Jüdin oder Zwangsarbeiter*in gemacht. Diese Veranstaltung, die sogar im offiziellen Programm der Stadt auftaucht, lehnen wir eindeutig ab! Zum einen erinnert die Inszenierung einer Namensverlesung an das Gedenken an den Holocaust, zum anderen ist auch der Ort genauso wie die Namensverlesung ein Symbol für die Relativierung deutscher Schuld: Das in der DDR errichtete Mahnmal stellt die Bombardierung Dresdens auf eine Stufe mit Ausschwitz. Ungeheuerlich, dass so etwas stattfindet und die Stadt es auch noch unterstützt! Ab 09:30 gibt es eine Gegendemonstration vor dem Eingang des Heidefriedhofs.

Ebenfalls um 10:00 startet eine Mahnwache der rechtsradikalen AfD auf dem Altmarkt, die bis 16:00 andauert. Um 21:30 möchte die AfD dort am Denkmal Kränze niederlegen. Über den Unsinn dessen und die geschichtsrevisionistischen und nationalistischen Tendenzen der AfD wurde schon viel gesagt, das wir hier nicht widerholen müssen. Gegen diesen Opferkult gibt es von 16:00 bis nachts eine Demo von HOPE - fight racism.

Die Menschenkette der Stadt unter Schirmherrschaft unserers Rektors Prof. Müller-Steinhagen findet am späten Nachmittag statt: Um 17:00 ist der Auftakt auf dem Neumarkt mit Bundespräsident Steinmeier, um 18:00 soll sich die Menschenkette schließen. Um 21:45 werden die Glocken der Kirchen läuten.

Dresden Nazifrei hat hier ebenfalls eine Zusammenfassung mit weitere Infos und anderen Schwerpunkten veröffentlicht.

 

  • 15.02. -  An diesem Samstag wollen die Neonazis nachmittags marschieren. Infos hier und im Facebook-Post [online ab 16 Uhr am 13.02.].

Die extrem rechten Kräfte der Region richten seit einigen Jahren diesen ehemals größten Neonazi-Aufmarsch Europas aus. Gerade in den letzten beiden Jahren stieg die Teilnehmer*innenanzahl und das Selbstbewusstsein der Neonazis allerdings bedrohlich. So haben sie im Gegensatz zu den vorherigen Jahren das Datum der Aufmärsche früh angekündigt und halten auch den Ort nicht geheim: Sie mobilisieren für Samstag, den 15.02., um 14:00 Uhr in die Dresdener Innenstadt. Der Neonazis-Aufmarsch soll am Skatepark auf der Lingneralle starten.

Dagegen gibt es zwei Gegendemos von Dresden Nazifrei: Jeweils von 11:00 bis 12:30 sammeln sich eine Demo am Alauenpark und eine am Hauptbahnhof. Sie treffen sich gegen 13:30 in der Innenstadt. Ziel ist es, den Neonazi-Aufmarsch zu verhindern. Wenn ihr zivilen Ungehorsam nicht ausschließen wollt: Passt auf euch auf! Informiert euch auch über Awareness-Strukturen, Rückzugsorte und Out-of-Action-Angebote!

 

Aktionswochen:

Aktionswochen gibt es von Furia und Dresden Nazifrei. Dabei sind sehr viele spannende und wertvolle Input, Workshops und Events. Hier wollen wir ein paar unserer Favoriten auflisten:

 

 


 

2. Campus-Kolumne zum Geschehen im Februar

 

Noch besser als hier lässt sich unsere Kolumne auf Campusrauschen lesen!

 

Opfermythos und Heidefriedhof – Der 13. Februar in Dresden
 
Am 13. und 14. Februar 1945 wurde Dresden durch die alliierten Luftwaffen bombardiert. Unmittelbar danach begann eine Mystifizierung, die bis heute wirkmächtig ist. Durch diesen Opfermythos, der in breiten Teilen der Gesellschaft verankert ist, entsteht ein Nährboden, den Neonazis für die öffentliche Großdemonstration ihrer menschenverachtenden Ideologie nutzen und versuchen, diese über das Thema anschlussfähig zu machen. Auch die AfD schließt sich dem Narrativ an und stellt mindestens eine Verbindung zwischen der rechten Ideologie und dem gesellschaftlich verankerten Opfermythos her. Umso wichtiger ist es, sich damit auseinanderzusetzen, woran genau am 13. Februar in Dresden gedacht und wieso dieses Datum so stark von rechts bespielt wird. Exemplarisch kann dazu das diesjährige Gedenken auf dem Heidefriedhof betrachtet werden – eine Paradebeispiel für unkritische, subjektive, politisch und psychologisch motivierte Geschichtserzählung.
 
Entstehung des Opfermythos in Dresden
 
Wie konnte ein Bombardement einer deutschen Stadt innerhalb des Zweiten Weltkrieges so stark mystifiziert werden? In den Nächten des 13. und 14. Februars bombardierten die Alliierten Dresden, dabei starben laut der Historikerkommission bis zu 25.000 Personen. Schon 1945 verbreitete NS-Propagandaminister Joseph Goebbels die falsche Zahl von 250.000 Bombentoten unter Berlin-Korrespondenten internationaler Zeitungen. Diese propagandistische Erfindung wurde in der alliierten Öffentlichkeit als Fakt selbstkritisch aufgenommen und fand weite Verbreitung. Die DDR-Geschichtsschreibung setzte, nach anfänglichem Zögern, an diesem Opferdiskurs an. Die Rede vom „anglo-amerikanischen Bombenterror“ passte gut in den Aufbau des Feindbilds USA, während damit gleichzeitig der Mythos von der „unschuldigen Kunst- und Kulturstadt“ entstand.
 
Paradebeispiel hierfür ist der Heidefriedhof mit einem Denkmal von 1965. Dort stehen 14 beschriftete Säulen kreisförmig angeordnet. Neben Leningrad, Warschau, Buchenwald und Ausschwitz steht hier gleichberechtigt Dresden um eine Opferschale. Nach der Wende wurde von Seiten der CDU, die seitdem durchgehend im sächsischen Landtag regiert, nie ein Bruch mit der zugeschriebenen Opferrolle Dresdens gesucht. Das pathetische Gedenken an „sinnlose Bombardierungen“ stärkte vielmehr das nationalistische Narrativ der CDU. Auf einmal waren die Deutschen nicht mehr Täter, sondern Opfer. Das passte gut zum Jubel um die deutsche Einheit und führte zu skurrilen Ereignissen: Mit dem Wiederaufbau der Dresdner Frauenkirche 1996 bis 2005 beispielsweise wurde groß Frieden und Versöhnung zelebriert. Das in Dresden auch mal eine Synagoge stand, die zu diesem Zeitpunkt noch in Trümmern lag, fiel den Beteiligten erst im Nachhinein auf. Auch der MDR hat den Opfermythos schon vor längerer Zeit dekonstruiert. Zum Schluss der Reportage fasst Matthias Neutzner von der Historikerkommision zusammen: „An einer Stelle aber behält Dresden seine Besonderheit, und das ist diese starke propagandistische, symbolische Aufladung. […]“
 
Der Opfermythos hat also eine lange Tradition – problematisch ist dabei die Fokussierung auf genau dieses Datum, die mit der selbst zugeschrieben Opferrolle und Vernachlässigung der Täterrolle einhergeht. Wieso findet kein so großes, städteweites Gedenken zu den Novemberprogromen statt? Die Toten der Bombardierung sind zunächst unabhängig von ihrer persönlichen Schuld umgekommen. Ein kollektives Gedenken durch die Stadt oder Zivilgesellschaft darf aber genau diese Schuldfrage nicht vernachlässigen. Unter den 25.000 sind viele Menschen, die wie die Bevölkerung in ganz Deutschland damals durch allgemeines Weggucken und Unterstützungsakte das NS-Regime und den Holocaust ermöglicht und mitgetragen haben. Mindestens eine Auseinandersetzung und Differenzierung muss es geben, bevor den Umgekommenen kollektiv gedacht wird. Denn: Deutsche Täter*innen sind keine Opfer. 
 
Opfermythos als Nährboden für rechte Ideologien
 
Dass genau diese selbst zugeschriebene Opferrolle gut in die rechte Ideologie passt, zeigte sich spätestens ab 1998. Seit diesem Jahr geriet der Jahrestag der Bombardierung Dresdens in das Blickfeld organisierter Neonazis. Deren wichtigste Erfahrung in den ersten Jahren war die Duldung ihres organisierten Auftretens im öffentlichen Raum – dies war neu und gab den Nazis Auftrieb. Die Kombination aus jahrelangem Wegschauen der Landespolitik – der Satz von Kurt Biedenkopf, „Die Sachsen sind immun gegen Rechtsextremismus.“, ist nur ein gut bekannter Ausdruck dessen – und unverhältnismäßig großer Anschlussfähigkeit innerhalb der Dresdner Bevölkerung ließen die Beteiligung mit den Jahren in die Höhe schießen. Waren 1999 noch 200 Nazis auf der Straße, kam es 2005 zu einem Höchstmaß von 6.000 Teilnehmenden aus ganz Europa. Nur dank kontinuierlicher, antifaschistischer Arbeit konnte diese Entwicklung gestoppt werden.
 
Dieses Jahr feiern wir das 10. Jubiläum der ersten Massenblockaden in Dresden, bei denen die Neonazis keinen Meter laufen konnten. Nach einem erneuten antifaschistischen Erfolg brachen 2011 die Teilnehmendenzahlen der klassischen Neonazi-Demonstration zusammen. Trotzdem wird nach wie vor in „Trauermärschen“ die Bombardierung Dresdens als vermeintlicher „Völkermord am deutschen Volk“ angeprangert oder es werden Transparente mit der Aufschrift „Bombenholocaust“ durch die Stadt getragen. Im vergangenen Jahr gewann der 13. Februar in der klassischen Naziszene wieder an Fahrt. Waren es in den zurückliegenden Jahren noch um die 500, marschierten 2019 wieder 900 Nazis durch Dresden. Mit dem 75. Jahrestag der Bombardierung ist für 2020 mit einer erneuten Zunahme der Nazimobilisierung zu rechnen.
 
Doch anstatt die antifaschistische Arbeit zu unterstützen, setzt die Stadt Dresden weiterhin auf Veranstaltungen, die das historisch falsche Geschichtsnarrativ von den deutschen Opfern wieder bestärken. So ist dieses Jahr für den 13. Februar im offiziellen Programmheft und auf der Webseite der Stadt Dresden eine Gedenkveranstaltung auf dem Heidefriedhof angekündigt, bei der eine „Namenslesung“ der Toten der Bombardierung Dresdens stattfinden soll. Intention des veranstaltenden Vereins Denk Mal Fort e. V. ist es, den auf dem Heidefriedhof begrabenen Menschen ihre Individualität wiederzugeben. Durch die Einbettung in das öffentliche, städtische Gedenkprogramm findet dies aber nicht individuell für die Hinterbliebenen, sondern im Rahmen einer kollektiven Gedenkveranstaltung statt. Zudem wird das „Namenlesen“, eine gängige Form, um den Opfern des Holocausts zu gedenken, als Teil der Veranstaltung beworben. Ohne Differenzierung und kritische Einordnung, bestärkt durch Namen, Ort und Form der Veranstaltung, wird so die Möglichkeit geboten, im öffentlichen Gedenken die Toten der Bombardierung mit den Opfern des Holocausts gleichzusetzen.
 
So ist der Dresdner Heidefriedhof am 13. Februar schon länger ein zentraler Anlaufpunkt für diverse Geschichtsrevisionist*innen. Am 13. Februar 2018 konnte die NPD mit etwa 20 Menschen an der offiziellen Gedenkveranstaltung teilnehmen und unmittelbar nach der Ansprache städtischer Vertreter*innen ihre Kränze ablegen. Auch für anwesende rechtsnationale Burschenschaftler, die klar an Schärpen und Burschenschaftsmützen zu erkennen waren, wurde kein angemessener Umgang, wie etwa ein Ausschluss, gefunden. Die diesjährige Veranstaltung dort nährt wieder den Narrativ, laut dem die Dresdner*innen unschuldige Opfer eines Krieges seien, mit dessen Ursache sie nichts zu tun gehabt hätten, und bietet so eine Steilvorlage für Nazis. Und gerade Dresden hat ein Problem mit Nazis und rechten Vereinnahmungen. Das hat der Stadtrat vor kurzem offiziell festgestellt (Stichwort „Nazinotstand“). 
 
Antifaschistischer Gegenprotest
 
Doch wie jedes Jahr gibt es auch 2020 viele zivilgesellschaftliche Akteur*innen, die sich für die Bewältigung des gegenwärtigen Naziproblems einsetzen und eine kritische Reflektion der Geschichte des historischen Naziproblems anstreben. Dabei haben die diesjährigen antifaschistischen Veranstaltungen einen feministischen Fokus. Durch eine Aktionswoche soll in mehreren Veranstaltungen die Geschichte aus einer feministischen Perspektive betrachtet werden (so geschehen z. B. bei den Veranstaltungen „Täterinnenschaft – Frauen – Feminismus – Körper und Nationalsozialismus – Deutschland, nein danke!“ oder „Weiblicher Widerstand gegen das NS-Regime – Antifaschistinnen der NS-Zeit in Sachsen“) und emanzipatorische Anregungen für das eigene Engagement beinhalten (z. B. bei Aktionstrainings und Workshops wie „High Fashion Demokleidung“ oder „Good for Something – Workshop zu depressiven Erfahrungen im widerständigen Alltag“). Die meisten Veranstaltungen sind bereits gelaufen, ausstehend ist der Gegenprotest zum „Opfermythos“ und den rechten Veranstaltungen am 13. und 15. Februar.
 
Insgesamt wird deutlich, dass das Datum hier nicht zum Gedenken an die Bombentoten genutzt wird und der antifaschistische Fokus eher auf eigenen Inhalten bzw. dem Gegenprotest liegt. So sollte auch der Heidefriedhof betrachtet werden. Schon Swen Steinberg, ehemaliger Mitarbeiter an der TU Dresden, beschrieb, dass sich der Heidefriedhof eher als „Lernort“ als als „Gedenkort“ eignen würde. Denn seine Architektur, Anordnung sowie das Nichtvorhandensein von Arealen (z. B. jüdischer Friedhof) zeugen von den subjektiven, teilweise politisch motivierten Blicken auf die Geschichte und damalige Gegenwart. Dies kann genutzt werden, um die Perspektive auf die Geschichte und insbesondere den Umgang mit dem 13. Februar in ihrer Komplexität darzustellen und zu reflektieren. Wenn also der Opfermythos dort aufgearbeitet wird, so wird auch der Heidefriedhof vermutlich kein Nährboden für Nazis bieten und die Grundlage für ihre Geschichtsrevision wird ihnen entzogen.
 
Stadt und AfD – heutiger Umgang mit dem 13. Februar
 
Um den Nazis zu begegnen, bedarf es des konsequenten Handelns der Stadt und der kritischen Auseinandersetzung mit den stattfindenden Veranstaltungen. Dies wurde schon vor längerer Zeit immer wieder angestoßen und hat zum Beispiel mit dem alljährlich stattfindenden „Mahngang Täterspuren“ eine breite Öffentlichkeit gefunden und ein „Gegengedenken“ etabliert. Auch das Buch „Gedenken abschaffen“ hat einen wichtigen Diskursbeitrag geleistet.
 
Doch der aktuelle Umgang der Dresdner Stadtverwaltung mit dem 13. Februar, auch über den Heidefriedhof hinaus, bleibt unbefriedigend. Die jährliche Menschenkette, die als Gegenaktion zu den größten Naziaufmärschen Europas ins Leben gerufen wurde, bleibt rein symbolisch. Weder findet eine inhaltliche Auseinandersetzung mit dem Warum der Bombardierung Dresdens statt, noch wird ein aktiver Beitrag zur Verhinderung von geschichtsrevisionistischen Ereignissen geleistet. Es bleibt bei emotional aufgeladener Stimmung und Kirchengeläut. Der Wunsch nach kollektiver Trauer wird hier erfüllt. Dabei ist genau diese kollektive Trauer Grundlage für den jährlichen Naziaufmarsch und Anknüpfungspunkt des Opfermythos. 11.500 Menschen nahmen 2019 an der Menschkette teil. Am 27. Januar dagegen, dem Datum der Befreiung von Auschitz, blieb die Teilnahme der Dresdner Bevölkerung an Gedenkveranstaltungen überschaubar. 
 
Vieles schon Erarbeitete wurde vergessen oder ist durch die aktuelle Diskursverschiebung nach rechts wieder in den Hintergrund gerückt. Offen bleibt, inwiefern es der AfD in der nächsten Zeit gelingt, von parlamentarischer Seite aus auf den Gedenkdiskurs Einfluss zu nehmen. Die AfD hat in den vergangenen Jahren das Opfer-Narrativ für sich entdeckt und eindeutig gezeigt, wo sie sich ideologisch verortet. In seiner berühmt-berüchtigten Rede im Dresdner Ballhaus Watzke forderte Björn Höcke 2017 eine „erinnerungspolitische Wende um 180 Grad“. Dabei bezog er sich direkt auf das Holocaust-Mahnmal in Berlin. Nicht der sechs Millionen zur NS-Zeit ermordeten Jüdinnen und Juden solle gedacht werden, sondern der deutschen Täter*innen. Auch wenn Höcke damit an die deutschen Traditionen des Verdrängen- und Vergessenwollens anknüpft, stellte die Radikalität seiner Aussage eine Zäsur dar. Höcke war im Übrigen selbst bereits an einem der sogenannten „Trauermärsche“ beteiligt – im Jahr der ersten erfolgreichen Massenblockaden 2010.
 
Es zeigt sich, wie durch unreflektierte perspektivische Geschichtserzählung rund um den Opfermythos in der Mitte der Gesellschaft ein Nährboden für rechte Ideologien entstanden ist und immer noch gepflegt wird. Diese Ideologien werden heute parlamentarisch von der AfD vertreten und radikal von (Neo-)Nazis auf die Straße getragen. Um dem zu begegnen, bedarf es erneut einer großen öffentlichen Aufarbeitung des Verständnisses vom Gedenken und den Ereignissen um den 13. Februar 1945 in Dresden.
 
Wir rufen dazu auf, sich kritisch in den Dresdner Gedenkdiskurs einzubringen und sich allen Naziaufmärschen entgegenzusetzen. No pasarán!
 

 


 

3. Info-Mail, die auch über den Studi-Verteiler ging

 

===NOTE: ENGLISH VERSION BELOW===

Zusammenfassung: (Neo-)Nazis und Rechte versuchen den Jahrestag der Bombardierung Dresdens zu vereinnahmen. Wir rufen auf zur Teilnahme an Gegenveranstaltungen!

Mehr Infos und Updates:
Furia // https://femblockdd.blackblogs.org/feministische-aktionswoche // @femblockdd
Dresden Nazifrei // https://www.facebook.com/dresden.stellt.sich.quer // @dd_nazifrei
WHAT // https://www.facebook.com/what.stura.tud // @what_stura_tud

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Am 13.02.1945 bombardierten alliierte Verbände Dresden. Unmittelbar danach begann eine Mystifizierung, die bis heute wirkmächtig ist [1]. Zum 75. Jahrestag der Bombardierung Dresdens wollen hunderte (Neo-)Nazis durch die Stadt marschieren. Seit 1998 prangert die lokale (Neo-)Nazi-Szene Jahr für Jahr die Bombardierung Dresdens durch die Alliierten als vermeintlichen „Völkermord am deutschen Volk“ an oder trägt Transparente mit der Aufschrift „Bombenholocaust“ durch Dresden. Auch dieses Jahr ist wieder mit Holocaustrelativierungen und Täter-Opfer-Umkehr zu rechnen. In den letzten Jahren hat die AfD das Opfer-Narrativ aufgenommen und zeigen eindeutig, wo sie sich ideologisch verortet [2].

Es ist wichtig, sich kritisch mit den Geschehnissen vom 13. Februar 1945 und ihrem "warum" auseinanderzusetzen, um so krassem Geschichtsrevisionismus, auch aus der Mitte der Gesellschaft, begegnen zu können. Und es ist wichtig, sich den neuen und alten Faschisten auf der Straße entgegen zu stellen. Die Erfahrung zeigt, dass nur durch Verhindern der Aufmärsche eine Abnahme (neo-)nazistischer Mobilisierung erreicht werden kann.

Der StuRa ist seit langem Mitglied im Bündnis Dresden Nazifrei, welches Veranstaltungen und Protest gegen die sog. "Trauermärsche" mit ihren rassistischen, menschenverachtenden und antisemitischen Parolen organisiert und darüber informiert.
Dieses Jahr wollen wir einen besonderen Fokus auf den anti-Feminismus der extremen Rechten legen. Frauenverachtung ist ein elementarer Bestandteil (neu-)rechter Ideologie. Deswegen laden wir euch ein zu unserer Veranstaltung "Weiblicher Widerstand - Antifaschistinnen der NS-Zeit in Sachsen" ein (HSZ/403/H, 10.02., 17 Uhr) und empfehlen wärmstens die Aktionswoche mit einer Workshop- und Vortragsreihe rund um die Themen Antifaschismus und Feminismus vom 07.02. bis 16.02.
Nähere Infos zu allen Veranstaltungen findest du in Kürze hier, bei Dresden Nazifrei & bei Furia.

Wir rufen dazu auf an den Gegendemonstrationen von Dresden Nazifrei teilzunehmen und sich dem Naziaufmarsch am 15. Feburar entgegen zu setzen!


Dein Referat WHAT
vom StuRa TU Dresden

Anmerkung: Wir heißen selbstverständlich den Tod von bis zu 25.000 Menschen, die bei den Bombenangriffen auf Dresden ums Leben gekommen sind, nicht gut, sondern stellen uns vielmehr entschieden gegen die Instrumentalisierung der Opfer und Leugnung der alleinigen deutschen Kriegsschuld.


[1] Grundlegende Informationen dazu in diesem Video-Clip https://www.youtube.com/watch?v=jqqmnOzj7OE Zusammenfassungen zum Jahr 2018 https://www.addn.me/nazis/eine-woche-voller-naziveranstaltungen-der-13-februar-2018 Ausführliche Hintergrundinformationen zu den Luftangriffen auf Dresden https://de.wikipedia.org/wiki/Luftangriffe_auf_Dresden
[2] Björn Höcke, bereits 2010 an einem Dresdner (Neo-)Naziaufmarsch beteiligt, bezeichnete in seiner Rede am 17. Januar 2017 im Ballhaus Watzke die Bombardierung Dresdens als „vergleichbar mit den Atombombenabwürfen über Hiroshima und Nagasaki“. Den Alliierten unterstellte er: „Man wollte uns mit Stumpf und Stiel vernichten, man wollte unsere Wurzeln roden. Und zusammen mit der dann ab 1945 begonnenen systematischen Umerziehung hat man das auch fast geschafft.“
Ganz ähnliche Formulierungen finden sich zum Beispiel 2008 beim „Aktionsbündnis gegen das Vergessen“: Dresden sei „wie die Zerstörung zahlloser anderer deutscher Städte, das Produkt eines aus wirtschaftspolitischen Motivationen geführten Krieges gegen unser Volk“ und die Bombardierungen ein „alliiertes Massenvernichtungsunternehmen“ gewesen.
Derartige  geschichtsrevisionistischen Verdrehungen bezeichnet man als  "Täter-Opfer-Umkehr". Der zweite Weltkrieg hatte seinen Ursprung im deutschen Angriffs- und Vernichtungskrieg unter Führung Adolf Hitlers und hat zum größten Verbrechen der Menschheitsgeschichte geführt.

============================ENGLISH VERSION============================

Short-information: (neo-)Nazis and right-wingers try to commemorate the anniversary of the bombing of Dresden. We call for participation in counter-events!

More information and updates:
Furia // https://femblockdd.blackblogs.org/feministische-aktionswoche // @femblockdd
Dresden Nazi Free // https://www.facebook.com/dresden.stellt.sich.quer // @dd_nazifrei
WHAT // https://www.facebook.com/what.stura.tud // @what_stura_tud

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On 13.02.1945 allied units bombed Dresden. Immediately afterwards a mystification began which is still effective today [1]. On the 75th anniversary of the bombing of Dresden hundreds of (neo-)Nazis want to march through the city. Since 1998 the local (neo-)Nazi scene has been denouncing the Allied bombing of Dresden year after year as alleged "genocide of the German people" or carrying banners with the inscription "Bombing Holocaust" through Dresden. This year, too, Holocaust relativizations and perpetrator-victim-reversion can be expected. In recent years new-right parties have taken up the victim narrative and clearly show where they are ideologically located [2].

It is important to take a critical look at the events of 13 February 1945 and their "why" in order to be able to counter blatant historical revisionism, also from the middle of society. And it is important to confront the new and old fascists on the streets. Experience shows that only by preventing marches can achieve a decrease in (neo-)Nazi mobilization following up.

The StuRa has long been a member of the Bündnis Dresden Nazifrei, which organizes and informs about events and protests against the so-called "funeral marches" with their racist, inhuman and anti-Semitic slogans.
This year we want to put a special focus on the anti-feminism of the extreme right. Contempt for women is an elementary component of (new) right-wing ideology. Therefore we invite you to our event "Female Resistance in NS" (HSZ/401) on 10.02., at 5 pm and warmly recommend the action week with a series of workshops and lectures on the topics of anti-fascism and feminism from 07.02. to 16.02. More information about all events can be found on the StuRa website -> https://www.stura.tu-dresden.de/13_februar, at Dresden Nazifrei & at Furia.
We call on you to participate in the counter-demonstrations of Dresden Nazi Free and to oppose the Nazi march at the 15.2.!


Yours sincerely WHAT
StuRa TU Dresden

Remark: Of course we do not approve the death of up to 25,000 people who died in the bombing of Dresden, but rather we strongly oppose the instrumentalisation of the victims and denial of the sole German war guilt.


[1] Basic information about this in this video clip https://www.youtube.com/watch?v=jqqmnOzj7OE Summaries of the year 2018 https://www.addn.me/nazis/eine-woche-voller-naziveranstaltungen-der-13-februar-2018 Background information: Air raids on Dresden (English) https://en.wikipedia.org/wiki/Bombing_of_Dresden_in_World_War_II
[2] For example, AfD politician Björn Höcke, already involved in a Dresden (neo-)Nazi march in 2010, described the bombing of Dresden in his speech on 17 January 2017 in the Ballhaus Watzke as "comparable to the atomic bombing of Hiroshima and Nagasaki". He insinuated to the Allies: "They wanted to destroy us with stump and stick, they wanted to clear our roots. And together with the systematic re-education that began in 1945, they almost succeeded."
Very similar formulations can be found, for example, in the 2008 "Aktionsbündnis gegen das Vergessen" ("Action against Forgetting"): In their opinion Dresden was "like the destruction of countless other German cities, the product of a war against our people fought for economic and political motives" and the bombing an "allied mass destruction enterprise".
Such historical-revisionist distortions are called "perpetrator-victim-reversion". The Second World War had its origin in the German war of aggression and annihilation under the leadership of Adolf Hitler and led to the greatest crime in human history.

 


 

Aktuelle Informationen zum 13.02. gibt es bei Twitter & Facebook!

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