Leseecke

Blogs:

  • Mädchenmannschaft - Zusammenstellung von Infos und Kommentaren zum unterschiedlichen Themen aus feministischer/geschlechterpolitischer Perspektive - bietet viele Anregungen zum Weiterlesen

 

Bücher:

  • Ruth Becker / Beate Kortendiek (2010): Handbuch Frauen- und Geschlechterforschung: Theorie, Methoden, Empirie
    (Knappe Artikel für einen Einstieg in die unterschiedlichen Themenbereich z.B. Geschlecht und Sport / Geschichte etc.)
  • Susanne Schröter (2002): FeMale. Über Grenzverläufe zwischen den Geschlechtern
    (Es werden Geschlechterarrangements in unterschiedlichen Kulturen dargestellt)
  • Mechthild Bereswill / Michael Meuser / Sylka Scholz (2007): Dimensionen der Kategorie Geschlecht: Der Fall Männlichkeit
    (Guter Einstieg in die Männlichkeitsforschung)
  • Heinz-Jürgen Voß: Geschlecht - Wider die Natürlichkeit
    (Knappe und gut verständliche Kritik an der These einer biologisch determinierten Zweigeschlechtlichkeit)

 

Texte:

  • Sabine Berghahn: Der Ritt auf der Schnecke - Rechtliche Gleichstellung in der Bundesrepublik Deutschland
    (Sehr guter Text zur rechtlichen Gleichstellung in der BRD, wird regelmäßig von den Autorin akutalisiert)

 

Rezensionen:

Queer und (Anti-)Kapitalismus

Queere Theorie und Praxis, dazu noch Kapitalismuskritik – lässt sich das überhaupt in einem Buch unterbringen?

Heinz-Jürgen Voß und Salih Alexander Wolter haben sich dieser Herausforderung gestellt, und zwar auf nicht einmal 200 Seiten. Herausgekommen ist ein auch für Einsteiger_innen gut lesbarer Überblick zu den Erfolgen und Problemen der queer-feministischer Bewegung und ihrer Kritik am Kapitalismus.

Darin werden auch häufig ignorierte Blickwinkel (insbesondere von People of Colour) gestärkt, statt nur bekannte Theoretiker_innen zu repetitieren. Damit ergeben sich auch für Menschen, die sich schon länger mit der Thematik beschäftigen, neue Verknüpfungen und Denkansätze.

Die Kapitalismuskritik diverser queerer Kämpfe werden hier zwar im historischen Kontext wiedergegeben, für eine stärkere analytische Einordnung reicht der Platz dann allerdings nicht aus. Dennoch gefällt der offenbar bewusst gewählte Verzicht besser als eine einseitige antikapitalistische Herrschaftskritik

Man wird daher für ein tieferes Verständnis auf weitere Literatur zurückgreifen müssen, allerdings stellen die Autor_innen dafür ein gut sortiertes Quellenverzeichnis bereit und regen auch in ihrer Darstellung immer wieder zu weiterer Beschäftigung mit anderen Autor_innen an.

Leider ein Alleinstellungsmerkmal im Vergleich zu anderen deutschsprachigen Überblickstexten: die konsequente Einbeziehung eines postkolonialen, antirassistischen Standpunktes, insbesondere unter Bezugnahme auf die Theorieproduktion Betroffener. Dabei werden auch die immer wieder auftretenden Ausschlüsse in emanzipatorischen Kämpfen offengelegt– gerade die schwule Szene in Deutschland täte gut daran, selbstkritisch die von Voß und Wolter angesprochenen Entsolidarisierungen und Ausschlüsse zu reflektieren.

Eine Pflichtlektüre zu definieren ist im Kontext emanzipatorischer Kämpfe eher unpassend – anstelle dessen sei hier daher eine explizite Leseempfehlung ausgesprochen.

Schmetterling Verlag, Stuttgart
2013, 160 Seiten, 12,80 EUR
ISBN 3-89657-061-7