Vortrag: "Die Konservative Revolte der Neuen Rechten."

Datum: 
Donnerstag, 26. Oktober 2017 - 18:30 - 20:00
Ort: 
HSZ/E03/U
Veranstaltet von: 
Referat politische Bildung
Referent: Felix Schilk
 
Die „Neue Rechte“ steht derzeit im Fokus der Öffentlichkeit. Während Journalisten in immer neuen Scharen zu Götz Kubitschek nach Schnellroda fahren, verschieben sich die Töne in den Medien. Neurechte Publikationen erobern immer weitere Regalmeter in den Kiosken und das selbsternannte „Widerstandsmilieu“ wächst, frohlockte kürzlich die Zeitschrift Sezession. Doch auch Veröffentlichungen über die Neue Rechte haben Konjunktur, wie die jüngsten Monografien von Volker Weiß, Samuel Salzborn und Thomas Wagner illustrieren. Dort können Interessierte den langen Aufstieg der Neuen Rechten pointiert nachlesen.

Was indes zu kurz kommt und im Vortrag im Fokus stehen soll, ist das ambivalente Verhältnis von Neuer Rechter und Konservatismus, über das beide Seiten interessierte Vorurteile pflegen. Weder ist die Neue Rechte einfach nur konservativ, wie das ihre Apologeten von der Jungen Freiheit bis zur AfD behaupten, noch lässt sich zwischen Konservatismus und Neuer Rechter ein klarer Trennungsstrich ziehen, wie die konservative Journalistin Liane Bednarz notorisch versucht. Stattdessen sind die Geschichte der Neuen Rechten und des Konservatismus in Deutschland vielfältig miteinander verwoben – nicht nur in personeller, sondern auch in programmatischer Hinsicht. Ein Großteil des begrifflichen Arsenals, mit dem die Neue Rechte heute operiert, entstammt dem intellektuell avancierten Konservatismus von Hans Freyer, Arnold Gehlen und Helmut Schelsky bis Gerd-Klaus Kaltenbrunner, Hermann Lübbe und Panajotis Kondylis.

Im Vortrag werden die Entstehung der Neuen Rechten aus dem Geist des Konservatismus nachgezeichnet und Metamorphosen des konservativen Denkens im 20. Jahrhundert beleuchtet. Dabei wird deutlich, dass sich die Neue Rechte als versprengtes Glied und intellektuelles Verfallsprodukt des in die Krise geratenen konservativen Denkens verstehen lässt.

Felix Schilk forscht und lehrt am Institut für Soziologie der Technischen Universität Dresden und schreibt für die Wochenzeitung Jungle World. Zuletzt erschien von ihm: Souveränität statt Komplexität. Wie das Querfront-Magazin ›Compact‹ die politische Legitimationskrise der Gegenwart bearbeitet. Münster 2017: Unrast.