Referat Politische Bildung

 

"Alles wird nichts gewesen sein - Annäherungen an den Begriff der Identität"

Ringvorlesung SoSe22

Identität. Ein Begriff, der seit Jahren virulent ist und viele gesellschaftliche sowie politische Auseinandersetzungen bestimmt. Angefangen bei der angeblichen Relevanz nationaler oder kultureller Identität über Diskussionen marginalisierter Identitäten bis zur unbedingt notwendig erscheinenden Suche nach der eigenen Identität begegnet uns dieser Begriff immer wieder. 

Diesen und weiteren Diskursen rund um kollektive und persönliche Identitäten ist gemeinsam, dass in ihnen oftmals versäumt wird, zu bestimmen, womit man es beim Reden und Schreiben über Identität eigentlich zu tun hat. Schließlich handelt es sich um einen Begriff, der aus der philosophischen Logik stammend den Umweg über die Sozialwissenschaften nahm, vor einiger Zeit Eingang im Alltagsdenken fand und nun dort wie in der politischen Auseinandersetzung ganz selbstverständlich genutzt wird. Dass es mit der Identität aber gar nicht so einfach ist, zeigt sich schon in der logischen Frage danach, ob sie als einfache Tautologie oder den Widerspruch integrierender dialektischer Prozess, der vielleicht gar nicht zu Ende gedacht werden kann und als Nicht-Identität verharren muss, verstanden wird. Wenn aber Identität gar nicht vollständig gedacht werden kann, wie konstituiert sich dann die Sehnsucht nach kollektiver und persönlicher Identität in spätkapitalistischen Gesellschaften? Und gibt es über das identitäre Denken hinaus auch materiell und ideologisch wirksame Identitäten in der hiesigen Gesellschaftsformation? 

Scheinbar handelt es sich bei Identität heute auch um einen politischen Kampfbegriff, der sich mit offenbar verschiedensten politischen Positionen vereinbaren lässt. Es wird versucht, Herrschaftsverhältnisse zu legitimieren oder zu überwinden, von Sprechverboten geschrieben und davon, dass es wichtig sei, Identitäten zu schützen und anzuerkennen. Andere wiederum fordern die Überwindung der zwanghaften gesellschaftlichen Zurichtung, die mit der eigenen Identität einhergeht, welche als bewusstlose die Möglichkeit freier Entfaltung vernünftiger Subjekte versperrt. Letztlich ist die Kritik der Identität in der falschen Gesellschaft auch ein utopischer Ausblick, die Hoffnung, sich im Bewusstsein der eigenen Besonderheit im Anderen wiederzufinden, ohne Angst verschieden zu sein und sich dennoch nicht als vereinzelte Einzelne gegenüberzustehen. 

In der Ringvorlesung werden diese fragmentarisch dargestellten sowie weitere Fragen und Probleme rund um den Begriff der Identität behandelt, mit dem Ziel, einer Begriffsbestimmung unter gesellschaftskritischen Gesichtspunkten näher zu kommen. Die Vorträge werden in erster Linie eine kritische, dialektisch-materialistische Perspektive einnehmen, aber auch poststrukturalistische Erkenntnisse sollen zumindest partiell einbezogen werden.

 

Wochenendseminare zur Dialektik mit Franz Heilgendorff (Verschoben)

Im Wintersemester 2021/22 wird es drei Workshopwochenenden zum Thema "Dialektik" geben.

Schreibt uns bitte (pob[at]stura.tu-dresden.de), insofern ihr gern teilnehmen möchtet, ob ihr ein digitales Endgerät mitbringen werdet, über welches ihr die Texte lesen könnt, damit wir nicht unnötig viel Papier bedrucken.

Es wird ein entsprechendes Hygienekonzept geben, welches in jedem Fall die 3G-Regelung vorsieht, wobie wir angehalten sind dies zu notieren und eure Kontaktdaten zu erfassen.

Das erste Seminarwochenende findet am 30. und 31. Oktober im Raum HSZ/0101/U statt - Samstag und Sonntag jeweils von 10 bis 17 Uhr.

Das zweite Seminarwochenende wird aufgrund der pandemischen Lage auf unbestimmte Zeit verschoben.

In drei Wochenendseminaren möchten wir gemeinsam erarbeiten, was es eigentlich mit dieser Dialektik auf sich hat. Ist sie eine Methode, die Wirklichkeit zu erkennen? Gar ein alles erklärender ‚Wunderapparat‘? Dialektik, war das nicht das Denken in Widersprüchen? Oder dieser Dreischritt von Thesis, Antithesis und Synthesis? Auf jeden Fall hatte es doch etwas mit Hegel und Marx zu tun. Und eine kritische Theorie der Gesellschaft ist doch ohne sie kaum denkbar. Außerdem ist da auch noch diese Sache, dass sich in dialektischem Denken irgendwie dem Objekt anzuschmiegen, der Bewegung der Sache selbst zu folgen sei….

Es scheint fast so, dass wenn etwas über Dialektik klar ist, nur dieses: Man weiß nicht so richtig, was darunter vorzustellen sei. Dialektik entzieht sich einer Definition, bestenfalls ergibt sich eine vage Vorstellung und damit das Verlangen nach Beispielen. Beispiele können aber keine gegeben werden, heißt es aber zugleich immer wieder, weil undialektisch.
Der Grund ist ebenso einfach wie schwer zu akzeptieren: Wenn etwas über Dialektik gesagt werden kann, dann, dass es die Methode der gedanklichen Wiedergabe einer Sache ist. Und zwar nicht so, dass einfach ein paar allgemeine Merkmale angegeben werden. Das wäre nur eine Reproduktion dessen, was man halt so sagt und denkt über eine Sache. Dialektischem Denken geht es um etwas anderes: Was über die Sache ausgesagt wird, soll nicht einfach ein äußeres Merkmal sein, sondern als die Eigenheiten dieser Sache begriffen werden. Das geht nur, wenn nachvollziehbar wird, warum diese Sache so und nicht anders erscheint. In dieser Art geht die Sache nicht einfach als ein totes Objekt in das Denken über, sondern behält ihre Lebendigkeit. Der Begriff von etwas ist damit die gedankliche Reproduktion der Sache selbst. Ein Beispiel: Dialektik in diesem Sinne ist nicht mehr und nicht weniger, als wenn jemand dich fragt, was deine Person ausmacht und du es dem Anderen in allen Details und Zusammenhängen erklärst. Alle diese Bestimmungen machen dich aus, genauso wie du nur in diesen Bestimmungen existierst.
Diese Problematik führt in den Kern von Dialektik: Sie ist eine Methode des Denkens, diese Methode besteht aber darin, die Struktur der Sache selbst nachzuvollziehen. Glückt die Darstellung, verschwindet darin die Methode, weil die Methode die Darstellung der Sache ist. Dialektik existiert also nur im Begreifen der Sache selbst und kann nicht davon abgetrennt werden. Schlimmer noch: Streng genommen hilft Dialektik nicht einmal dabei, etwas zu begreifen. Denn die Erkenntnis der Zusammenhänge und Eigenheiten hängt von vielerlei Dingen ab - nicht zuletzt von Zufall, spontanen Einfällen des erkennenden Menschen und den historisch-konkreten Bedingungen, unter denen sich die Erkenntnis vollzieht. Diese tiefe Bekanntschaft mit dem Gegenstand vorausgesetzt, ist Dialektik eine Methode der gedanklichen Reproduktion einer Totalität von Bestimmungen, in denen die Sache erscheint.
 Jede*r hat bestimmt die Erfahrung gemacht, dass dies außerordentlich schwierig ist. Einen komplexen Sachverhalt darzulegen, gleicht nicht selten einer wildgewordenen Drauflosdenkerei mit vielen Sprüngen. Und so stellt sich die Frage: Wo fängt man an? Wo endet man? Was ist das Ganze? Wie entwickelt man diesen Zusammenhang? Diese Kunst, derart mit Begriffen zu operieren, erfordert viel Anstrengung und wirkliches Denken, welches als Denken ebenfalls eine lange erfahrungsmäßige Geschichte hat. Diese Anstrengung wollen wir in einer angeleiteten Lektüre von Hegel, Marx und der Kritischen Theorie mit euch versuchen. Dabei beginnen wir mit Hegel, um zu verstehen, was Denken eigentlich ist. In einem zweiten Seminar widmen wir uns Marx, um zu verstehen, was die gesellschaftliche Praxis der Menschen ist. Und hierzu kommt in einem dritten Seminar anhand der kritischen Theorie die Frage, was das Denken der gesellschaftlichen Praxis der Menschen ausmacht. Indem wir so drei Sachen in ihrem eigenen inneren Zusammenhang nachvollziehen, sind keine Vorkenntnisse notwendig und es ergeben sich zugleich drei Beispiele dialektischen Denkens – im Idealfall also eine Idee, was Dialektik ist.
 
Facebook: https://www.facebook.com/events/616548116425108

Die weiteren  Seminare sollen am Wochenende 08.01./09.01.2022 und am Wochenende 05.02./06.02. jeweils ab 10 Uhr.

 
 

Über das Referat politische Bildung:

Wir wollen Studierende motivieren, am gesellschaftspolitischen Leben - theoretisch wie praktisch - teilzunehmen und sich aktiv einzubringen. Sie sollen die notwendige Sensibilität entwickeln um herrschende gesellschaftliche Zustände kritisch zu hinterfragen und gesellschaftliche Debatten fundiert mitzubestimmen. Hierfür ist es unabdingbar, die in solchen Debatten immer schon vorhandenen und verwendeten Begriffe bezüglich ihrem gesellschaftlichen Gehalt aufzuklären. Wo kommen die Begriffe historisch her, mit denen aktuelle gesellschaftliche Ereignisse gedacht werden? Treffen diese das gedachte Ereignis überhaupt noch und falls nicht, was hat sich verändert? Nur indem die vorausgesetzten Begriffe, die zur Erklärung gesellschaftlicher Ereignisse dienen sollen, aufgeklärt werden, können gesellschaftliche Ereignisse begriffen werden.

Insofern versteht das Referat für politische Bildung die Universität nicht als bloßen Ort des Wissenskonsums, als eine Meinungsfabrik, sondern als einen Raum der aktiven Auseinandersetzung mit dem eigenen Denken und dem Denken der Gesellschaft.

Einen solchen Raum möchte das Referat für politische Bildung schaffen - und zwar gemeinsam mit den Studierenden. Habt ihr also Lust dies mit uns zu tun, dann kommt bei unseren Veranstaltungen vorbei, bringt euch aktiv ein und macht am besten gleich bei uns mit.

Beste Grüße,

euer Referat für politische Bildung

 

Archive

Hier findet ihr alle noch erhaltenen Aufnahmen der Veranstaltungen, die in den letzten Jahren vom Referat für politische Bildung organisiert wurden. Die Bibliothekt wird stetig aktualisiert.

 

aktuelle Mitarbeiter_innen:

  • Fabian W.
  • Joel F.
  • Max M.
  • Conny B.
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  • Anna Lena S.
  • Nora H.
  • Natascha F.

Sprechzeit: mit Voranmeldung

Kontakt: pob[at]stura.tu-dresden.de

 

Aufgaben:

Die Politische Bildung der Studierenden ist die Aufgabe des Referats Politische Bildung. Das bedeutet, Toleranz, Emanzipation und Kritikfähigkeit zu vermitteln und zu stärken und so demokratische Spielregeln bei den Studierenden zu verankern. Verständnis für politische Sachverhalte soll gefördert, und so das demokratische Bewusstsein gefestigt und die Bereitschaft zur politischen Mitarbeit gestärkt werden. Insbesondere zählt zu den Aufgaben des Referats Politische Bildung:

  • Organisation und Durchführung von geeigneten Veranstaltungen (z.B. Seminare, Podiumsdiskussionen),
  • Förderung der demokratischen Fähigkeiten der Studierenden - insbesondere der studentischen Gremienmitglieder - an der TU (z.B. Sensibilisierung für hierachische Strukturen in Diskussionen),
  • Regelmäßige Zuarbeit zu den Medien des StuRa (Internetseite und Newsletter) im Sinne der politischen Bildung und
  • Aufklärung der Student/inn/en über politische Gruppierungen an der Universität

Aus diesen Aufgaben ergbit sich die Notwendigkeit der engen Zusammenarbeit mit dem Referat für Öffentlichkeitsarbeit.