Skip to content

Der Exzellenz-Faktor

Ergebnis der Landesexzellenzinitiative in Sachsen beantwortet einige Fragen – und wirft viele neue auf.

Das heute vorgestellte Ergebnis zur Landesexzellenzinitiative hat einen Geldsegen von insgesamt 160 Millionen Euro, verteilt auf die vier Universitätsstandorte Sachsens, eingeleitet und damit zumindest die Frage beantwortet, welche Standorte und Forschungsvorhaben vom Land nun als besonders förderwürdig eingeschätzt werden. Für den Frieden im Lande sicher dienlich, entschied eine achtköpfig besetzte Jury – unter der Beteiligung von genau einem weiblichen Mitglied – dass markanterweise an allen Standorten zumindest ein exzellentes Cluster zu finden sei und es ist den jeweiligen Projekten dafür zu gratulieren dieses erreicht zu haben.

Das Ergebnis indes bezieht sich leider nur auf technische/naturwissenschaftliche Projekte, da nur solche überhaupt zum Wettbewerb zugelassen waren. Da die Förderung den Weg zu einem besseren Abschneiden Sachsens bei der nächsten Bundesexzellenzinitiative ebnen soll, stellt sich schon die Frage ob die Landesregierung in den Sozialwissenschaften zu wenig Potenzial für ein sehr gutes Abschneiden im bundesdeutschen Vergleich sieht. Dies würde sicher zu einiger Verwunderung etwa auf Seiten der Germanisten, Politikwissenschaftler und Lehrämter dieses Landes führen und wäre es sicher für die Eltern in Sachsen äußerst erhellend zu erfahren, dass etwa ihre Kinder von Lehrpersonal unterrichtet werden, an deren Ausbildungsqualität die eigene Landesregierung zweifelt.

Auch darf man bei einer landesweiten Exzellenzinitiative nicht vergessen, dass diese nur durch das schlechte Abschneiden der Hochschulen in Sachsen beim letzten bundesdeutschen Wettbewerb überhaupt notwendig geworden ist. Die Gründe dafür liegen sicher nicht in fehlenden Qualifikationen sondern sind das Ergebnis jahrelang konsequent betriebener Unterfinanzierung der Hochschulen.

Michael Moschke, Geschäftsführer für Hochschulpolitik des Studentenrats der TU Dresden, dazu:

„Es ist eine wirklich bedrückende Erfahrung, mit Hochschulverantwortlichen zu sprechen und zu erfahren, trotz welcher finanziellen und personellen Ressourcen sie es schaffen Leistungen zu erbringen die man eingedenk solcher Schwierigkeiten nur als bemerkenswert bezeichnen kann. Wenn wir auch in Zukunft in Sachsen leistungsfähige Hochschulstandorte haben wollen, dann muss endlich Schluss sein mit Stellenkürzungen und Unterfinanzierung – zum Beispiel bei der SLUB, zum Beispiel bei den Studentenwerken – und der Freistaat zu seiner Verantwortung stehen“.

Insofern ist ein Finanzspritze gleich welcher Art von Seiten des Landes sicher besonders zu begrüßen. Es ist nur bedauerlich, dass es erst den „Exzellenzstempel“ braucht um auch konservative Kräfte davon zu überzeugen, dass sich Investitionen in die Forschung und Bildung immer lohnen.